ein dorf für alle in pressbaum

worum ging es bei der baugruppe in pressbaum?

Der Verein „Gemeinschaft B.R.O.T.“ ist stark mit der Person Helmuth Schattovits (verstorben 2016) verbunden. Er prägte über viele Jahrzehnte als philosophischer Kopf diese Bewegung, aus der auch die Baugruppe B.R.O.T. hervorging. Sie definiert sich als eine Gruppe von Menschen, die in einer gemeinschaftlichen Wohnform mit starkem sozialen Aspekt leben wollen. Die Vision der Baugruppe ist eine bunte Gemeinschaft von Menschen aus verschiedenen Kulturen und Lebensformen, in der sich alle zu Hause fühlen. Mit diesen Werten ausgestattet, trat die Baugruppe an nonconform heran, um gemeinsam den Weg zur Wohnvision auf einem Grundstück im Ortskern der Gemeinde Pressbaum in Niederösterreich zu gehen.

Mehr Informationen zum Verband B.R.O.T. finden sich hier: http://brot-verband.at

wie lief der prozess ab?

Einander auf Augenhöhe begegnend und im Rahmen vieler Gespräche, Workshops und Diskussionsrunden entwickelte unser Team mit allen zukünftigen Bewohner*innen die neue Form des Zusammenlebens in der Baugruppe. Jungfamilien, ältere Menschen, Paare und Singles – als größte Herausforderung galt es, die Bedürfnisse verschiedener Nutzer*innengruppen auf den schönsten gemeinsamen Nenner zu bringen. In Arbeitsworkshops erarbeiteten wir Schritt für Schritt das räumliche Konzept und durchdachten gemeinsam alle notwendigen Details.

Wir arbeiteten mit verschiedenen Mitteln aus dem nonconform Beteiligungs- und Planungswerkzeugkoffer, wie lockeren Moderationsformaten, übergroßen Luftbildern und Modellen sowie speziellen Raumaufstellungen.

was war das besondere am projekt?

Alle Planungsentscheidungen wurden im Rahmen von Vollversammlungen des Vereins und auf Basis demokratischer Organisationsstrukturen abgestimmt. Räumliche Konzepte und Zuordnungen wurden entwickelt, die sowohl den individuellen Bedürfnissen als auch jenen nach Gemeinschaft gerecht wurden. Das nonconform Planungsteam begleitete die Baugruppe in der Findung aller gemeinschaftlichen Entscheidungen, bspw. hinsichtlich des Bebauungsplans, der Auswahl des Baumaterials, aber auch Details wie Böden oder Türklinken.
In welche Richtung soll dein Haus orientiert sein? Die Baugruppenmitglieder nahmen wortwörtlich einen Platz ihrer zukünftigen Wohneinheit ein. Mit solchen Übungen konnten wir der Gruppe wichtige Planungsentscheidungen auf humorvolle Weise näherbringen.

In einem weiteren Schritt fanden Einzelgespräche zur Wohnungsgestaltung statt. Dadurch konnten wir auf die individuellen Bedürfnisse eingehen und Anpassungen in der Grundrissgestaltung vornehmen.

wie sieht das ergebnis aus?

Es entstand ein Dorf für alle! Rund 90 bis 100 Bewohner*innen bewohnen 10 Häuser, die sich um einen Dorfplatz gruppieren. Die gesamte Anlage wurde in Holzständerbauweise mit Zellulosedämmung und als Niedrigenergiehaus errichtet. Fotocredit: Kurt Hörbst
Der Gruppe war es von Beginn an ein großes Anliegen, dass 10 % der Wohnfläche für die Gemeinschaft genutzt werden. Fotocredit: Kurt Hörbst

Am Dorfplatz befindet sich ein Gemeinschaftshaus mit Veranstaltungsraum, Gemeinschaftsküche, Aufenthaltsräumen und einer Gästewohnung. Ein besonderes Anliegen der Baugruppe war es, eine Wohneinheit für eine Flüchtlingsfamilie freizuhalten und zu finanzieren. Dank zahlreicher Unterstützungen und einer Crowdfunding-Kampagne erhält eine geflüchtete Familie nun die Möglichkeit, Teil der Gemeinschaft zu sein.

Ich finde, dass das Teilen die Zukunft ist und das ist das Schöne an der Baugruppe: Ein gemeinsamer großer Garten statt viele kleine, private Gärten. Oder auch so banale Dinge wie einen Staubsauger. Oder etwas anderes, was nicht jeder so oft benötigt.
Thomas Wibmer-Waldhuber

Bewohner