ein kümmerer für trofaiach

worum ging es in trofaiach?

Trofaiach ist eine Kleinstadt im Bezirk Leoben und kämpft wie so viele Industrieregionen gegen Abwanderung und einen verödeten Ortskern – etwa 30 Leerstände zierten noch im Jahr 2015 die einst belebte Hauptstraße. Darum beauftragte Trofaiach das Team von nonconform, um im Rahmen einer Ideenwerkstatt gemeinsam ein Rezept zur Belebung des Ortskernes zu entwickeln. 

Für Orte wie Trofaiach, die ohnehin von Bevölkerungsschwund bedroht sind, wird ein verwaistes Zentrum zum gefährlichen Sinnbild. Man spricht vom Donut-Effekt und der frisst die Ortskerne leer.

wie lief der beteiligungsprozess ab?

Den Startschuss für den Zukunftsprozess bildete ein gemeinsamer Ausflug mit den Gemeindeverantwortlichen nach Waidhofen an der Ybbs – eine Stadtgemeinde in Niederösterreich, die es schaffte, ihren Leerstand von 35 % auf Null zu senken. Das Gefühl, dass auch Trofaiach den Aufschwung schaffen kann, kam auf. Diese gemeinsame Motivation bildete die wichtigste Grundlage für den Entwicklungsprozess – denn eine Innenstadt wachzuküssen braucht viel Zeit und Geduld, mindestens 10 Jahre. 

Im nächsten Schritt luden wir zur dreitägigen nonconform ideenwerkstatt vor Ort in Trofaiach. 

An die 1.000 BürgerInnen folgten der Einladung zur nonconform ideenwerkstatt und brachten sich ein. Von Anfang an war spürbar: Die Trofaiacher wollen etwas verändern. Es wurden Problemzonen der Innenstadt angesprochen, Wünsche und Ideen gesammelt und an möglichen Lösungen für die verwaiste Hauptstraße gearbeitet. Schnell wurde klar, dass das Ziel der Ortskernbelebung nicht durch schnelle Renovierungsmaßnahmen erreicht werden kann, sondern verschiedene kleinteilige Maßnahmen gesetzt werden müssen.
„Die Ideen waren keine Luftschlösser. Es geht immer um die Möglichkeit der Begegnung, sich auszutauschen, um das Lebensgefühl.“
Mario Abl

Bürgermeister der Stadtgemeinde Trofaiach

was war das besondere in trofaiach?

Um dieses Maßnahmenbündel langfristig nicht aus den Augen zu verlieren und die im Masterplan vorgesehenen Projekte bedarfsorientiert umzusetzen, riet nonconform der Gemeinde, einen Zentrumskümmerer einzusetzen. Das Profil dieser neuen Position war allerdings unklar und musste erst entwickelt werden – aus diesem Grund entstand eine längerfristige Begleitung der Gemeinde Trofaiach durch das Beraterteam. 

Trofaiach fand schnell seinen Kümmerer: Erich Biberich erfüllt die Aufgabe nun seit 2015 hauptberuflich und leidenschaftlich.

wie sieht trofaiach nach 4 jahren umsetzungsarbeit aus?

Vier Jahre später kann eine positive Bilanz gezogen werden: Mithilfe des Kümmerers Erich Biberich, einigen freiwillig engagierten TrofaiacherInnen und dem regelmäßigem Coaching durch nonconform ist viel passiert. Beinahe die Hälfte aller Leerstände wurden mit neuen Nutzungen befüllt – der „Trofaiach Tandler“ und Spezialgeschäfte wie etwa für Sportbögen oder natürliches Hundefutter zogen ein. Auch das zuvor leerstehende Wirtshaus öffnete wieder seine Tore. 

Das Highlight bildet der Trofaiach-Tandler, ein hipper Laden mit Upcycling Produkten. Neben den Handwerkskünstler*innen arbeiten hier auch zwei Asylwerber. © Stadtgemeinde Trofaiach.

Ein leerstehendes Gebäude im Zentrum wurde von der Gemeinde zur Musikschule umgebaut. Davor wurde ein Teil der Hauptstraße von stingl-enge architekten als Begegnungszone neu gestaltet. Wie ein Teppich liegt das Streifenmuster über dem Asphalt und macht räumliche Qualitäten erlebbar. 

Die neue Begegnungszone in Trofaiach, gestaltet von stingl-enge architekten (c) fotofreisinger

wie geht es in trofaiach weiter?

Zusammenfassend kann über Trofaiach stolz gesagt werden, dass ein Drittel der Ideen bearbeitet wurden, ein Drittel der Ideen sind in Arbeit und nur noch ein Drittel warten darauf, bearbeitet zu werden.
 
Die Ideenwerkstatt vermittelte damals das Potential der Innenstadt und war die Initialzündung für alle weiteren Schritte. Das Erfolgsrezept wurde mittlerweile zum Nachkochen weitergegeben – auf der sogenannten Ortskernkonferenz, einem Vernetzungstreffen für Kümmerer in Trofaiach.
„Wir versuchen immer, mehrere Dinge zu verbinden. Das gelingt auch mit der Lebenshilfe, die in der Gemeinde Werkstätten, betreutes Wohnen, einen Kindergarten und einen Cateringservice betreibt. All das bringt Menschen und neue Arbeitsplätze in die Stadt.“
Erich Biberich

Zentrumskümmerer der Stadtgemeinde Trofaiach