haag

theatersommer für den stadtplatz

Eine rote Tribüne und ein Sommertheater als erste Schritte für eine belebte Innenstadt?

Die Arbeit in der niederösterreichischen Stadtgemeinde Haag ist untrennbar mit unserer Entwicklung verbunden. Denn in dieser Stadt liegt der Ursprung unserer nonconform ideenwerkstatt. So haben wir in Haag nicht nur einige Jahre als Architekten bauliche Projekte umgesetzt, sondern hier auch erstmals einen neuen Beteiligungsprozess für BürgerInnen etabliert, mit dem räumliche Aufgaben im Stadtzentrum angedacht und getestet werden konnten. Mit seinen rund 5.000 Einwohnern ist Haag eine typische Kleinstadt im niederösterreichischen Alpenvorland. Das Zentrum war Ende der 1990er Jahre nahezu komplett ausgestorben. Der Leerstand rund um den Hauptplatz war enorm, das kommerzielle Leben konzentrierte sich überwiegend in den Fachmarktzentren am Ortsrand.
Blick aus einer Seitengasse auf die Tribüne und den gut besuchten Gastgarten direkt am Hauptplatz © Gerhard Obermayr
Im Jahr 2000 entstand in einem gemeinschaftlichen Stadtmarketingprozess die Idee, den Hauptplatz nachhaltig wiederzubeleben. Das Ergebnis der Entwicklungsarbeit war ein alljährlich wiederkehrendes Theaterfestival zu etablieren. Dafür steuerten wir eine mobile Tribüne aus Holz mit einem charakteristischen Design und 600 Sitzplätzen bei, die wir eigens für diesen Zweck geplant haben. Die rote Tribüne ist heute nicht nur ein temporäres Wahrzeichen, das mittlerweile mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet wurde, sondern auch zum Impulsgeber und Initiator für neues Leben und neue Bauvorhaben im Ortszentrum von Haag geworden.
Nachdem durch das gelungene, sommerliche Theaterspiel wieder Leben in die Stadt zurückgekehrt ist, entschieden sich die Stadtverantwortlichen auch den Hauptplatz neu zu gestalten und den Asphaltflickenteppich zu entfernen. Wir gestalteten die Fläche mit einer Pflasterung in warmen Farben, deren Muster mit der starken Topografie des Platzes spielen. Die atmosphärische, indirekte Beleuchtung über den Fassaden setzten wir mit Dieter Bartenbach um. Viele Überlegungen und Studien zu weiteren Projekten, wie ein dezentrales Hotel am Hauptplatz, ein Kunstprojekt mit Ars Electronica, eine versenkbare Tribüne und vieles mehr, begleiteten die rund 10-jährige Arbeit in Haag. Wir haben viele schöne Erinnerungen an die gemeinschaftliche Veränderungsarbeit mit den Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung sowie an die starken Menschen und BürgerInnen, die sich ehrenamtlich und mit viel Mut seit vielen Jahren im Ort engagieren.
Der Leerstand wurde nahezu komplett wiederbelebt und in den letzten Jahren wurde qualitätsvoller Wohnraum im Zentrum geschaffen. Dadurch ziehen immer mehr Menschen her und bringen Leben in die Innenstadt. Die Gasthäuser und Gastgärten haben wieder geöffnet, das Rathaus ist auf den Hauptplatz übersiedelt und im Sommer tummeln sich rund 15.000 Besucher beim Theatersommer. Haag ist ein überaus gelungenes Vorzeigebeispiel für die nachhaltige, positive Veränderung sowie Reaktivierung eines Ortszentrums und mittlerweile auch ein beliebter Ort für Exkursionen. Menschen aus den unterschiedlichsten Regionen möchten von den Haager Umsetzungsarbeiten lernen und die handelnden Personen kennenlernen. Haag ist ein Vorzeigeort geworden und wir sind besonders stolz darauf, einen wertvollen Teil dazu beigetragen zu haben.
Hauptplatz Haag: Die Gestaltung folgte nach den Aktivitäten rund um den Theatersommer © Dietmar Tollerian
„Die Tribünenarchitektur wurde zur Einzigartigkeit für das Projekt. Es war klar, dafür werden uns alle für verrückt erklären oder lieben.“ Elke Hinterholzer

ehem. Theatermanagerin Stadt Haag, heute Esterházy Betriebe GmbH