Von der Zigarrenfabrik zur Kulturfabrik

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26. Juni 2020

Vlotho und die lange Geschichte der Tabakwarenproduktion

 

Die Stadt Vlotho blickt auf eine lange Geschichte der Zigarrenindustrie zurück. 1830 wurde die erste Tabakwarenfabrik von dem Unternehmern Busse und Hildebrandt gegründet. 1926 wurde in 79 Betrieben in Vlotho Tabak verarbeitet.

Durch die Einführung neuer Technologien, wie der Wickelmaschine konnten die kleinen Manufakturen aufgrund sinkender Marktpreise mit der Entwicklung nicht mehr Schritt halten. Ab den 1950er Jahren kam es zu vermehrten Schließungen – als letzte Zigarrenfabrik stellte Niemann & Tintelnot 1983 die Produktion ein.

Von der Zigarrenfabrik zur Kulturfabrik – die bewegte Geschichte des Gebäudes

Die Zigarrenfabrik Hoening & Schöning an der Langen Straße 53 wurde im Jahr 1862 von den Unternehmern Gustav Hoening und Friedrich Schöning errichtet. Diese hatten zuvor eine Fabrik an der Langen Straße Nr. 43, die jedoch durch die gut laufenden Geschäfte – 1860 beschäftigte die Firma 266 Arbeiter, darunter 42 Frauen – mit der Zeit zu klein wurde.

1870 stirbt Gustav Hoening – die Firma wird noch 1 Jahr von seiner Witwe Luise Hoening weitergeführt. Ein Jahr später wird übernimmt Friedrich Schöning vollständig das Unternehmen – die Zigarrenfabrik wird umbenannt und ist bis heute unter den Namen Zigarrenfabrik Schöning bekannt.

1928 kommt es zu einem Brand in der Fabrik und ein Großteil des Gebäudes brennt ab, da aufgrund des kalten Winters die Weser zu gefroren war und die Löscharbeiten erschwert wurden. Im selben Jahr wurde ein viergeschossiger Neubau mit schlichter Architektur und Backsteinfassade errichtet.

Ab den 50er Jahren kam es aufgrund der Schließung von kleineren Tabakfabriken zu einer Erweiterung des Unternehmens. Es wurden mehrere Zweigbetriebe gegründet – im Jahr 1960 beschäftigte das Unternehmen an mehreren Standorten über 800 Personen.

In den Folgejahren ging der Konsum von Zigarren in Deutschland und weltweit stark zurück, worunter die deutschen Hersteller besonders zu leiden hatten. Auch die Firma Schöning blieb davon nicht verschont. Die Folge war die Schließung im Jahr 1971.

Im Jahr 1986 wird das Gebäude als Baudgedenkmal unter Denkmalschutz gestellt und in die Denkmalliste der Stadt Vlotho eingetragen. Das Gebäude ist das letzte erhaltene Fabrikgebäude dieser Produktionsart im östlichen kreisgebiet Herfords. Es hat damit ein hohen Zeugniswert für einen ehemals blühenden Gewerbezweig und über die damals vorherrschenden Arbeits- und Produktionsverhältnisse.

Heute wird die Zigarrenfabrik für kulturelle Veranstaltungen genutzt und beherbergt das JUZ, die Jugendkunstschule, das Heimatmuseum und die Stadtbücherei. Der Veranstaltungssaal und die Räumlichkeiten werden auch von Vereinen und Schulen vielseitig genutzt.

Die Kulturfabrik ist heute eines der kulturellen Zentren in Vlotho. Im Bereich Kulturveranstaltungen und Bildung ist sie ein allübergreifender Treffpunkt und weit über die Grenzen Vlothos hinaus bekannt. Die bewegte Geschichte der Gebäude kann im Heimatmuseum im 3. Stock der Kulturfabrik, voraussichtlich ab August wieder bestaunt werden.

Fabrik nach dem Brand 1929

Fabrik und Arbeiterunterkunft, Aufnahmedatum unbekannt

Fabrik und Arbeiterunterkunft von oben, Aufnahmedatum unbekannt

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