Ein Stück Geschichte für Maria Saal

Warum ging Maria Saal den Weg mit nonconform?

Das Gebiet um Maria Saal in Kärnten ist historisch sehr bedeutsam. Verschiedenste Kulturen prägten den Ort über 3000 Jahre. Und diese Geschichte sollte auch in der Neugestaltung des Ortskerns eine wesentliche Rolle spielen. Der Ausgangspunkt war eine Zusammenarbeit mit dem Stadtmarketingexperten Thomas Egger von der Firma Egger & Partner. Gemeinsam mit der Bevölkerung wurde der Verein „Wir Maria Saaler“ gegründet und die Basis für einen Architekturwettbewerb gelegt. Diesen österreichweiten Wettbewerb zur Neugestaltung des Ortskerns konnte nonconform 2002 in einer Arbeitsgemeinschaft mit Architekt Friedrich Mascher gewinnen. Die Detailplanung erfolgte unter Einbindung der Bürger*innen. 

Wie sah der Entwurf aus?

Unser Entwurf behandelte das Thema der „kultur.schichten“. Dabei griffen wir die Vielschichtigkeit und historische Komplexität der Geschichte Maria Saals auf und übersetzten diese in die Gestaltung. Wir arbeiteten dabei mit der archäologischen Idee der Stratigraphie, also dem Freilegen der unterschiedlichen Geschichtsepochen – jedoch mit dem Unterschied, dass wir diese um 90 Grad drehten und somit als Belag des Hauptplatzes begehbar machten.
Der Hauptplatz ist auf Basis dieses Entwurfes als durchgängig geschichtete Fläche mit unterschiedlich gefärbten Steinen schwellenlos begehbar. Ein Raum zur Aneignung und ohne Barrieren entstand. Ein Spaziergang über den Ortsplatz wird so zur geschichtlichen Entdeckungsreise.

Wir bedienten uns der Methode der Stratigraphie – einem Teilgebiet der Geowissenschaften, bei der Schichtungen untersucht und zeitlich zugeordnet werden.

Wie lief der Beteiligungsprozess ab?

Nach dem Wettbewerbsbeginn begann der eigentliche Bürgerbeteiligungsprozess. Mit speziellen Gesprächsformaten und Veranstaltungen wurden alle Anrainer*innen, interessierte Bürger*innen sowie Vertreter*innen aus Verwaltung und Politik im Vorfeld der Detailplanung intensiv einbezogen und ihre Vorstellungen zur Nutzung des Hauplatzes aktiv in das Projekt eingearbeitet. Die sogenannten Hauptplatzgespräche in Form von offenen Stammtischen wurden von uns als Planer*innen konzipiert, organisiert und auch moderiert. Alle Ergebnisse wurden unmittelbar in den nächsten Planungsschritt eingearbeitet. 
Die Wünsche, Ideen und Bedürfnisse von uns Maria Saalern konnten durch die Hauptplatzgespräche in der neuen Gestaltung des Ortsplatzes berücksichtigt werden. Wir haben ein Projekt bekommen, hinter dem die Bevölkerung steht.
 
Ing. Mag. Kurt F. Scherwitzl

ehem. Vizebürgermeister Maria Saal

Wie sieht das Ergebnis aus?

Der Hauptplatz strahlt durch die Neugestaltung eine Großzügigkeit und Würde inmitten des historischen Ortskerns aus. Er verbindet als weltliches Zentrum das geistliche Zentrum des Domes mit dem politischen Zentrum des Gemeindeamtes. Die rund 200.000 Besucher*innen und Tourist*innen, die jährlich den Maria Saaler Dom besuchen, haben ein wunderbares Entree erhalten.
 
Die Parkplätze wurden an einzelnen Stellen konzentriert. Die Bepflanzung im Randbereich des Platzes und die – in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt erfolgte – Verlegung der Mariensäule lassen den Hauptplatz als freie Fläche wirken. Als Metapher der Kulturschichten reihen sich streng in Nord-Südrichtung verlaufende Streifen von hellen und dunklen Granitpflastersteinen aneinander und passen sich fließend den Höhenverläufen des Platzes an. Diese Linien bilden wie die Jahreslinien eines Baumstammes die geschichtlichen Ereignisse Maria Saals ab.
„Mein Dank gebührt dem Architektenteam. Sie haben eine Vision – viel schöner als gedacht – realisiert. Der Platz ist einfach wunderbar gelungen, bei Tag und auch bei Nacht.“
 
Dr. Günther Karner

Diakonie Kärnten

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