Mehr Mitsprache für Nutzerinnen und Nutzer: Planungsprozesse mit Beteiligung sind gefragt.

Aus Erfahrungen lernen September 2018 – Die Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen Betroffener in Planungsprozessen hält immer stärker Einzug in die Praxis. Doch das Thema ist noch relativ neu, viele Gemeinden, Planungsbüros und Einrichtungen kommen zum ersten…

Mehr Mitsprache für Nutzerinnen und Nutzer: Planungsprozesse mit Beteiligung sind gefragt.

Aus Erfahrungen lernen

September 2018 – Die Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen Betroffener in Planungsprozessen hält immer stärker Einzug in die Praxis. Doch das Thema ist noch relativ neu, viele Gemeinden, Planungsbüros und Einrichtungen kommen zum ersten Mal damit in Berührung. Partizipation will jedoch gelernt sein: Die passenden Werkzeuge, das Grundlagenwissen und das Teilen von Erfahrungen ermöglichen erfolgreiche Prozesse. Als Vorreiter in diesem Feld bietet das Architekturbüro nonconform mit der nonconform akademie seit Jänner 2018 ein Weiterbildungsprogramm bestehend aus sechs Modulen an, das Interessierten das Kennenlernen von unkonventionellen Beteiligungsprozessen und Kommunikationsmitteln ermöglicht – und zeigt, dass erfolgreiche Beteiligung von NutzerInnengruppen ein Handwerk ist, das gelernt werden kann.

„Im Laufe von 15 Jahren haben wir in über 70 Gemeinden und Schulen Erfahrungen in Beteiligungsprozessen gesammelt. Daraus haben wir unser eigenes Format – die nonconform ideenwerkstatt – entwickelt. Nach und nach wurden Arbeitsformate weiterentwickelt und erprobt. Das Wissen daraus geben wir seit Jahren in internen Fortbildungsformaten weiter und trainieren miteinander: Wenn man vom Studium kommt, kann man zwar Entwerfen und Pläne zeichnen, aber keine Sitzung moderieren oder einen Beteiligungsprozess aufsetzen. Im Jahr 2016 kamen wir auf die Idee, unsere interne Akademie nach außen zu öffnen, um unsere Praxiserfahrungen aus Beteiligungsprozessen auch anderen weiterzugeben: lebendig, kurz und knackig. Wir haben also mit der nonconform akademie öffentlich gemacht, was wir schon seit Jahren im Büro in der Praxis leben.“ blickt Caren Ohrhallinger, Geschäftsführerin bei nonconform, auf den Werdegang der nonconform akademie zurück.

 

Wissensvermittlung für alle, die unkonventionelle Prozesse kennenlernen wollen

Die nonconform akademie richtet sich an alle Interessierten – also eigentlich an alle, die in ihrem beruflichen Alltag mit der Moderation und der Entscheidungsfindung in Gruppen gefordert werden und ungewöhnliche Methoden des gemeinsamen Arbeitens kennenlernen wollen.

Pia Knappitschist Teil des Büros 3:0 Landschaftsarchitekturin Wien. Sie ist selbst keine Planerin, sondern begleitet Beteiligungsprozesse in der Kommunikation und Administration und hat sich darum für eine Teilnahme an der nonconform akademie entschieden: „Beteiligungsprozesse sind mittlerweile zum Glück immer öfter ein wichtiger Baustein von Planungsprojekten im öffentlichen Raum.“ Tina Eberhardtnutzt als Kultur- und Medienmanagerin (B.A.) Bürgerbeteiligung im Berufsalltag als wesentliches Element: „Mit meiner Firma Aprinummache ich kulturelle Stadtentwicklung und Standortkommunikation, hauptsächlich im ländlichen Raum. Vor allem bei Stadtentwicklungsprozessen spielen Bürger-Projektteams eine immer wichtigere Rolle.“

„Die breite berufliche Ausrichtung der Teilnehmenden, die wir in den vergangenen Kursmodulen hatten, bot immer wieder neue Blickwinkel auf die besprochenen und trainierten Themen. So trafen sich Bürgermeister, Planerinnen, Regionalentwickler, Prozessbegleiter, Kultur- und Medienmanagerinnen, Stadtzentrumskümmerer, Amtsleiterinnen, Mitarbeiterinnen von Förderstellen, Leerstandsmanager, Studentinnen, Philosophen und Soziologen. Das brachte eine zusätzliche Qualität in die nonconform akademie und sorgte für regen Austausch.“ resümiert Sabine Zwirchmair, Geschäftsführerin und Standortleiterin in Berlin.

 

Die Atmosphäre macht’s aus!

Zwei Tage lang wird in der nonconform akademie ausprobiert, gefragt und erzählt, Kaffee getrunken und gemeinsam gegessen. Und viel Papier produziert. Zum Entwickeln und Erklären von Formaten eignet sich ein Flipchart am besten – ebenso zum Üben: Die Teilnehmenden trainieren ihre Fähigkeiten vor der Großgruppe, im geschützten Rahmen. Oder in Kleingruppen, um Prozesse oder Formate zu erarbeiten – und dann auch gleich verständlich zu präsentieren. Nach und nach füllen sich so die Wände mit niedergeschriebenem Wissen, Feedback, Info-Grafiken und Tipps aus der Praxis. Genau wie in einer nonconform ideenwerkstatt herrscht eine offene, gut gelaunte Werkstattstimmung.

Tina Eberhart schätzt den praxisnahen und undogmatischen Ansatz: „Beteiligungsprozesse müssen niederschwellig und einladend gestaltet sein, sonst schafft man keine gute Arbeitsatmosphäre und keine Verbindung zu den Menschen. Ein guter Prozess bindet alle ein, nimmt Hemmungen und Distanzen raus und man sieht, dass Bürgerbeteiligung Spaß machen kann.“ „In einer kleinen, entspannten Runde werden Beteiligungsprozesse zerlegt und Formate ausprobiert. Es wird auch viel aus dem Nähkästchen geplaudert und nach jedem Modul traut man sich so viel mehr zu und weiß gar nicht recht, wie das jetzt genau passiert ist.“ ergänzt Pia Knappitsch.

 

Das Arbeiten mit Menschen in kleineren oder größeren Gruppen will nicht nur geübt, sondern auch gut vorbereitet sein. Aber auch die Improvisation kommt im Beteiligungsalltag nie zu kurz. In der nonconform akademie wird deshalb nicht nur auf grundlegende Methoden eingegangen, sondern die Inhalte werden je nach Zusammensetzung und Interessen der Gruppe kurzfristig angepasst.

 

Feedbackkultur mit Zukunftsblick

Feedbackkultur und der wertschätzende Umgang miteinander sind wichtig und notwendig – sowohl in Bürgerbeteiligungsverfahren, als auch in einfachen Besprechungen oder der Weiterentwicklung qualitativer Prozesse. Darum hat das Team der nonconform akademie die AbsolventInnen nach ihrem Eindruck gefragt.

Eine Erkenntnis der nonconform akademie ist, dass die Moderation ein ganz eigenständiger Aufgabenbereich mit eigenem Handwerkszeug ist, auf den man sich vorbereiten kann.Ich konnte mir nun einen Werkzeugkasten mitnehmen, mit dem ich Lust habe, sofort loszuschrauben. Außerdem war es ein Riesenspaß!“ erzählt Michael Leidl, Partner bei ArcArchitekten in Bayern, als Teilnehmer des kompakten Einstiegs im Jänner 2018.

 

Tina Eberhart: „Was ich mitgenommen habe? Dass die Atmosphäre über den Erfolg der Beteiligungsprozesse entscheidet.Der Inhalt ist wichtiger, als die Verpackung. Es kommt nicht darauf an, dass man eine smarte Beamer-Präsentation zeigt, in einem geleckten Saal hockt und sich mit Fachsprache wichtig gebärdet. Mit Straßenmalkreide, Klebeband und einer Kiste Bier auf dem Marktplatz kommt man unter Umständen viel weiter. Das finde ich schön. Es befreit, weil es den Druck rausnimmt und Raum gibt, frei zu reden, zu denken und gemeinsam zu spinnen.“

 

Zufrieden zeigt sich auch Eva Kraler, Mitarbeiterin bei nonconform und Organisatorin der nonconform akademie. „Wir wollen die Kultur der Öffentlichkeitsbeteiligung weitergeben, genauso wie die Werkzeuge, die es dafür braucht. Beteiligungsprozesse werden immer öfter eingesetzt – dabei sind Qualitätsstandardsaber wichtig. Diese wollen wir in der nonconform akademieweitergeben, inhaltlich und direkt beim Trainieren. Die Rückmeldungen unserer Teilnehmenden zeigen uns, dass das bereits jetzt sehr gut gelingt. Trotzdem ist es uns wichtig, nicht im Jetzt steckenzubleiben, sondern die nonconform akademie weiterzuentwickeln: Auch wir im Büro nonconform machen immer wieder neue Erfahrungen und lernen dazu – und werden das auch in Zukunft in die nonconform akademie einfließen lassen.“

 

Sechs Module im Werkzeugkoffer

Am 8. und 9. Novembergibt es die nächste Gelegenheit, selbst Teil der nonconform akademie zu werden: Das Kursprogramm startet in den Räumen der IG Architektur in Wien wieder mit dem „kompakten Einstieg“, wo die wichtigsten Grundlagen der Prozessbegleitung und Moderation interaktiv vermittelt werden. Unter Programmpunkten wie „Souverän vor der Gruppe! Wie gelingt’s?“ oder „Ich schreib‘ so schiach“ werden Herausforderungen für das Arbeiten mit Gruppen behandelt. Ebenso werden Schritte der Prozessplanung durchgedacht sowie heißgeliebte Moderationsformate und Fragetechniken trainiert.

 

In weiteren Modulen ab dem Frühjahr 2019 werden die Inhalte je nach individuellem Bedarf vertieft: Angefangen bei der Schaffung von Rahmenbedingungen und angenehmen Gesprächssituationen über die spannungsvolle Moderation bis hin zur erfolgreichen Ergebnisfindung. Im Fokus steht dabei immer der sensible und wertschätzende Umgang mit Betroffenen. Alle sechs Module füllen einen Werkzeugkoffer für einen rundum gelungenen Prozess.

Kontakt

 
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1080 Wien
+43 1 929 40 58
 
 
 
nonconform deutschland
Miriam Antretter
DIETERLE + PARTNER
Kommunikationsmanagement
An der Burgermühle 4
D-83022 Rosenheim
+49(0) 8031/88 737-99
 

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