Ein räumliches Entwicklungskonzept für Zwischenwasser

Warum ging Zwischenwasser den Weg mit nonconform?

Die Gemeinde Zwischenwasser mit rund 3.100 Einwohner*innen liegt in Vorarlberg. Die Gemeindeverantwortlichen standen vor der Aufgabe, der Bevölkerung die richtigen Antworten auf die regelmäßig eingehenden Umwidmungsanträge von Grünland in Bauland geben zu können. Den Verantwortlichen war bewusst, dass die Versiegelung von landwirtschaftlichen Böden in Österreich zukünftig zu Versorgungsengpässen mit regionalen Produkten führen wird. Gleichzeitig war der Flächenwidmungsplan 2013 bereits in die Jahre gekommen und das Land Vorarlberg verlangte eine Überarbeitung. Diese „Verwaltungszwänge“ nahm die Gemeinde Zwischenwasser zum Anlass, einen Vor- und Nachdenkprozess über die zukünftige räumliche Entwicklung zu starten. In die Erstellung eines ganzheitlichen Zukunftskonzeptes im Umgang mit Grund und Boden sollte unter Begleitung von nonconform die gesamte Bevölkerung eingebunden werden, um ein innovatives Fundament für den Zukunftsraum Zwischenwasser zu schaffen.

Arbeitsatmosphäre im Ideenbüro: Am Tisch wird am Rechner und am Plan gearbeitet, gleichzeitig gibt es Gespräche mit Besuchern im Ideenbüro.

Wie lief der Beteiligungsprozess ab?

Von Anfang an wollten die Gemeindeverantwortlichen mit der Erarbeitung eines umfassenden Zukunftskonzeptes neue Maßstäbe setzen. Die Projektgruppe zur weiteren Bearbeitung des Räumlichen Entwicklungskonzepts (REK) bestand aus Vertreter*innen aller Fraktionen sowie aus der gesamten Gemeindevertretung . Die Bürger*innen wurden in einer viertägigen nonconform ideenwerkstatt intensiv an der Sammlung von Ideen, Wünschen und Ansprüchen für die Zukunft involviert. Sie sollten anschließend auch Akteur*innen bei der Umsetzung dieser Maßnahmen sein. 

Eine siedlungsmorphologische Analyse gab vorab einen tiefen Einblick in die Besiedlungsgeschichte von Zwischenwasser. So konnten wir die gewachsenen baulichen, territorialen Strukturen der Gemeinde in ihren historischen, räumlichen und strukturformenden Gegebenheiten und Eigenschaften (Klima, Topografie, Wege, u. a.) verstehen und davon für die Zukunft lernen.

Die im Rahmen der Ideenwerkstatt entwickelten Ideen und Ergebnisse bildeten den Nährboden für intensive Besprechungen sowie Diskussionen zur Präzisierung des zukunftsweisenden Dokuments. Die Ausarbeitung stellte die „Übersetzung“ der gemeinsam vereinbarten Ziele im regelmäßigen Austausch mit Fachleuten in konkrete räumliche Maßnahmen und Vorgaben dar. Den Abschluss des Prozesses bildete das gemeinsame Abschreiten der zukünftigen Siedlungsgrenzen und die Ausarbeitung einer anschaulichen Kurzfassung des REK.

Vier zusammengehörende Motive zur Aktivierung der Bürger*innen: zurückwidmen, zu Fuß, meine Kinder, mitdenken © Silvia Keckeis

Was war das Besondere daran?

Dieser ganzheitliche Weg mit neuer Beteiligungs- und Prozesskultur wurde von den Gemeindeverantwortlichen bewusst gewählt. Fragen der Raumentwicklung und ein verantwortungsvoller Umgang mit Grund und Boden, Verkehr, an verschiedene Bedürfnisse angepasste Wohnformen und öffentlicher (Grün-)Raum betreffen alle. Ziel war es, Entscheidungen zu versachlichen und durch transparente Grundlagen Nachvollziehbarkeit und mehr Verständnis für die übergeordnete Thematik zu schaffen. Damit wird bei konsequenter Anwendung ein zukunftsweisender Weg in der Raumentwicklung beschritten und ein Mehrwert für Generationen erzeugt. Die Erstellung eines REK auf diese Art und Weise bietet der Bevölkerung sowie der Gemeindevertretung die Möglichkeit, die Rahmenbedingungen und Herausforderungen der Raumplanung genau kennen und verstehen zu lernen. 

Gemeinsame Begehungen mit Plan schärften den Blick auf Grund und Boden.

Was war das Ergebnis?

Mit dem REK stellt Zwischenwasser die Weichen für die zukünftige Entwicklung der Siedlungsstruktur. Das REK ist Leitplanke und Vision in der täglichen politischen Arbeit der Gemeindeverantwortlichen. Es findet Anwendung bei der aktiven Bodenpolitik, bei Widmungsthemen, bei öffentlichen und privaten Bautätigkeiten sowie Pilotprojekten und anderen raumplanerischen Aufgaben. Hauptaugenmerk liegt auf einer qualitätsvollen „Verdichtung nach innen“. Neben dem Wohnen sollen lebendige Dorfteilzentren gestärkt und ausgebaut werden. Das erfordert neben einem gezielten Bodenmanagement auch die Unterstützung der Bürger*innen. Um diese ambitionierten Ziele auch ernsthaft zu verfolgen, müssen private und öffentliche Interessen gleichsam berücksichtigt werden. So verstehen sich Grundstückseigentümer*innen und die Gemeinde als Partner*inen in räumlich relevanten Entscheidungen.

„Unser wirklich zukunftsfähiges räumliches Konzept für die Weiterentwicklung der Gemeinde konnte nur gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern und professioneller Begleitung durch nonconform erstellt werden. Das gewährleistet nun, dass es langfristig und auf breiter Basis mitgetragen und gelebt wird.“
 
Kilian Tschabrun

Bürgermeister Gemeinde Zwischenwasser

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